Südafrika: Entlang der Garden Route

Von Kapstadt nach George und Retour: Die Strecke entlang der Garden Route Richtung Osten ist der Klassiker für einen Südafrika-Roadtrip. Zumal unterwegs mit Hermanus, Pinnacle Point, Fancourt und George erstklassige Plätze auf deinen Besuch warten. [Ein Auszug aus dem Buch Rough, erschienen Ende 2022 im Callwey Verlag in München.]

Hermanus Golf Club entlang der Garden Route in Südafrika

Rund 500 Kilometer mit dem Auto – das klingt für die meisten Golfer nicht allzu verlockend. Wenn es sich jedoch um die berühmte Garden Route handelt, lassen sich diese Entfernungen verschmerzen. Zum einen ist die Szenerie unglaublich schön, andererseits gibt es genügend Golfplätze, die die Fahrt unterhaltsam machen.

Ein guter Start ist eine Abschlagszeit auf dem besten Platz in den Winelands um Stellenbosch, Franschhoek und Paarl: Hier liegt Pearl Valley, der durchaus etwas elitäre, aber bestens präparierte Signature Course von Jack Nicklaus. Der Platz erstreckt sich in einem Private Estate mit zahlreichen Villen, die das Spiel nicht zu sehr beeinträchtigen und hübsch anzusehen sind. Seit kurzem gibt es auch ein angeschlossenes Apartment-Hotel direkt neben der Driving Range. Wer weniger Geld fürs Greenfee ausgeben möchte, kann alternativ in Stellenbosch oder De Zalze abschlagen. Pearl Valley ist jedoch der anspruchsvollste und beste Platz in der Gegend.

Der nächste Stopp ist der Arabella GC (Design von Peter Matkovich) und eine Unterkunft in Hermanus, wo sich dank dem gleichnamigen Hermanus GC auch ein etwas längerer Aufenthalt anbietet. Arabella ist ein bekannter Name, da die Münchner Schörghuber-Gruppe lange Jahre Hotel und Club gemanagt hat, ehe sie es 2010 an einen südafrikanischen Immobilienfonds abgegeben hat. Bekannt ist der Club, der 1998 eröffnet wurde, aber nicht nur für sein bayerisches Bier, sondern vor allem für seine Grüns: Es sind mit die besten, die das Western Cape zu bieten hat. Immer pfeilschnell und mit einigen schwierigen Breaks versehen. Das Design von Peter Matkovich ist gelungen, auch wenn einige Häuser etwas dicht am Grünrand oder den Fairways stehen. Gerade bei Wind – der hier meistens ein Faktor ist – kann das zu etwas ängstlichen Schwüngen führen. Besonders schön sind die Löcher entlang der Bot River Lagune (8, 9, 17, 18).

Ebenfalls von Matkovich sind die 27 Spielbahnen direkt in Hermanus, die meist randvoll mit Locals sind. Zu Recht, denn der Club verfügt über eine stimmige Mischung aus unterhaltsamem Layout, guter Platzpflege und exzellentem Bunkering. Frühzeitig buchen ist ein Muss, denn die zahlreichen Mitglieder nutzen ihre Startzeiten nahezu täglich. Ein Tipp: Der C-Kurs (19–27) ist am schönsten, da weniger Häuser am Fairway-Rand stehen. Ein weiterer Vorteil des beschaulichen Küstenstädtchens: In der Zeit von Juni bis Dezember gibt es oft Wale zu sehen. Aber auch im Januar kann man Glück haben und einen Southern Right Wal von den für ihre Sauberkeit ausgezeichneten Blue Flag-Stränden Voëlklip oder Grotto erspähen. Was hingegen immer gilt: Die Restaurant-Szene ist exzellent! The Wine Glass, Pear Tree und einen Besuch auf dem Weingut Creation Wines solltest du unbedingt einplanen.

Das Pebble Beach Südafrikas: Pinnacle Point
Gut erholt geht es auf eine etwas weitere Strecke: Etwas mehr als 300 Kilometer sind es bis Pinnacle Point in der Mossel Bay. Doch der weite Weg lohnt sich, denn ein Großteil der 18 Löcher von Pinnacle Point liegt direkt an den Klippen – und sie sind extrem spektakulär. Wir sprechen von einem Wow-Faktor, der fast in einer Liga mit Pebble Beach in Kalifornien liegt. Schade nur, dass entlang einiger Löcher ein paar Immobilien zu viel zu sehen sind. Die Kamera wird dennoch reichlich zum Einsatz kommen, vor allem auf den Löchern 4 bis 9 sowie auf den Bahnen 13, 17 und 18, wo tiefe Schluchten zu überspielen sind und die schäumenden Wellen des Indischen Ozeans an die Steilküsten branden. Wichtig zu wissen: Pinnacle Point ist ein Cart-Platz, da die Wege zwischen den Abschlägen teilweise länger sind und oft einige Höhen und Tiefen erklommen werden müssen.

Next Stop? Herolds Bay, kurz vor George. Denn dort liegt Oubaai, das erste Platzdesign von „Big Easy“. Ernie Els, der berühmte Südafrikaner mit dem lockeren Schwung, und sein Team haben an der windigen Küste einen weiträumigen Platz mit breiten Fairways geschaffen, der von den hinteren Tees vor allem etwas für Longhitter ist. Besonders gelungen: Die 7, ein Par 3 über eine breite Schlucht mit beeindruckendem Blick auf die Bergkette von George. Und das Finish ist großes Kino: Von 16 bis 18 sieht man zum einen die Outeniqua-Berge in der Abendsonne verschwinden und auf der anderen Seite das frische Blau des Indischen Ozeans.

Weiter geht’s gleich um die Ecke im international bedeutendsten Golf-Resort Südafrikas: Fancourt. Unter SAP-Mitgründer Dr. Hasso Plattner entstand 1994 ein Traum für Golf-Fans. Die Anlage mit ihren drei Plätzen ist seit Jahren in den Bestenlisten von Golf Digest und Co. vertreten. Fancourt ist fast immer „busy“, und das Buchen von Startzeiten ein Muss. Aber zu den Plätzen: Outeniqua ist der einfachste Kurs. Okay, einfach ist relativ, denn auch hier handelt es sich um ein Gary-Player-Design mit recht viel Wasser und zahlreichen Bunkern. Zudem sind die Grüns „mit am schnellsten von allen drei Plätzen“, wie Sportdirektor Ryan Reid, der mehrere Jahre selbst Profi war, verrät. Der prachtvolle Parkland-Kurs Montagu wiederum gilt als eine der schönsten Anlagen Südafrikas – und ist eine echte Aufgabe. Die Grüns sind ebenso rasant und sehr abwechslungsreich bei Breaks und Neigungen. Zudem kommen zahlreiche Bäche, Wasserhindernisse und natürlich Bunker ins Spiel. Man merkt: Besitzer Plattner ist ein absoluter Fan von strategisch angelegten Sandhindernissen. Besonders gelungen ist der Lauf des Fairways Richtung Inselgrün an der 4 und am Abschlag der 13 entlang eines kleinen Sees, der von den Gebirgsbächen aus den Montagu- und Outeniqua-Bergen gespeist wird und für die Wasserversorgung der Plätze sorgt. Generell wird in Fancourt äußerst viel Wert auf einen perfekten Pflegezustand gelegt.

The Links – Südafrikas Bester?
Das sieht man insbesondere bei The Links, dem berühmt-berüchtigten Private Course von Fancourt, der im Jahr 2000 für ein paar Auserwählte seiner Pforten öffnete. Knapp 100 Mitglieder zählt der Club aktuell. Darunter finden sich auch ein paar große Namen aus dem Profizirkus wie Justin Rose, Retief Goosen, Branden Grace und Ernie Els. Ebenfalls Mitglied: Wiestaw Kramski, der mit seiner hochwertigen Putter-Schmiede in Pforzheim vielen ein geläufiger Name sein dürfte.

2003 wurde auf den schottisch anmutenden, rollenden Fairways der Presidents Cup ausgetragen. Auch die European Tour war schon zu Gast. Schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass Gary Player und Platzarchitekt Phil Jacobs vor Beginn der Bauarbeiten nur einen flachen Flugplatz vor sich hatten. Dünen, wellige Fairways, Roll-Off-Areas und Grün-Erhebungen, die auch an der Küste Irlands oder Schottlands stehen könnten, prägen die Optik. Dazu kommen tiefe Pott-Bunker und ein kniehohes Rough, in dem sich kaum ein Ball mehr finden lässt. Allein einen Kritikpunkt gibt es. Oder anders: Der Name führt ein wenig in die falsche Richtung. Denn The Links ist kein echter Links. Es fehlt das Meer. Zudem gibt es für Links-Kurse untypische Wasserhindernisse. Macht aber nichts, denn dafür sieht man auch hier das prachtvolle Outeniqua-Bergmassiv im Hintergrund leuchten und spürt oft eine ordentliche Brise im Gesicht.

So viel Prestige kostet natürlich, denn The Links streitet sich seit Jahren mit Leopard Creek im Kruger Park um die Spitzenposition in Südafrika: Rund 200 Euro muss man für das Greenfee hinlegen, dazu kommt noch die Gebühr für den Caddie (etwa 20 Euro), den man wegen der Platzkenntnisse jedoch unbedingt hinzubuchen sollte. Außerdem darf man nur als Gast des Fancourt Hotels oder des noch exklusiveren Manor House auf den Platz. Der Aufwand lohnt sich dennoch, denn der Kurs ist wirklich spitze und etwas ganz Besonderes. Allerdings solltest du mindestens ein Handicap von 15 haben, um mit der Schwierigkeit der Bahnen halbwegs klarzukommen.

Parkland-Golf in George
Eine weitere Empfehlung in George ist der gleichnamige Golfclub, der auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits 1906 wurden hier die Schläger geschwungen. Der Parkland-Kurs ist herrlich eingewachsen und hat zudem ein richtiges Wildlife: Auf den Schlusslöchern sieht man „Springboks“ (das Wappentier von Südafrika) neben dem Grün grasen und aus den Wäldern hört man die Baboons (Paviane) kreischen. Die 9 und 10 führen entlang der Straße und sind etwas lauter, ansonsten fühlt man sich wie in einem Schlosspark. Auch das Layout ist klasse, anspruchsvoll und macht richtig viel Spaß. Preislich ist George in einer anderen Liga als Fancourt: Das Greenfee kostet keine 40 Euro.

Ein Tipp, um Geld zu sparen
Wer viel spielt, kann sich frühzeitig eine günstige Fernmitgliedschaft (circa 100 Euro) über das Internet buchen und somit eine „SAGA Membership“ (South African Golf-Association) für die Saison erhalten. Als „affiliated member“ gibt es Preisvorteile beim Greenfee von bis zu 50 Prozent.

Immer einen Abstecher wert: Das Weingut Tokara hinter Stellenbosch

FACTS & FIGURES

  • Reisezeit: November bis März
  • Flughafen: CPT (Kapstadt)
  • Fortbewegungsmittel: Mietwagen
  • Greenfee-Preise: 1/5
  • Plätze buchen: 4/5
  • Wind: 4/5
  • Temperatur: 4/5
  • Sonnenrunden: 5/5
  • Schwierigkeit der Plätze: 4/5
  • Bucketlist: 3/5


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