Gleneagles: Der King’s Course und das große Geld

Drei Plätze von großem Kaliber, der legendäre Ryder Cup und Luxus ohne Ende: vier Tage in Gleneagles, dem wahrscheinlich pompösesten Golfresort Schottlands, das sich nicht ohne Grund "The Glorious Playground" nennt.

Fünftes Loch des King’s Course in Gleneagles bei Sonnenuntergang
Starkes Signature-Hole: Das fünfte Loch des King’s Course erinnert an das berühmte Postage-Stamp-Grün von Royal Troon © Landmark

Der älteste Champagner im Keller von Gleneagles ist ein Dom Pérignon, Jahrgang 1971. Man könnte sich aber genauso gut einer Flasche Pétrus aus dem herausragenden Jahr 2009 (100 Parker-Punkte) hingeben – und allein dieser Satz erklärt eigentlich schon, in welcher Welt man sich hier bewegt. Gleneagles in den schottischen Hügeln von Perthshire ist einer dieser Orte, bei denen man schon beim Einbiegen in die Auffahrt merkt: Hier gelten andere Regeln. Ich war vier Tage dort, habe größten Luxus genossen – und muss gleich vorweg anmerken: Wer hierherkommt und sich über jegliches Preis-Leistungs-Verhältnis Gedanken macht, ist falsch abgebogen. Bei Gleneagles geht es nicht darum, ob das im Verhältnis steht, sondern darum, wie pompös, wie übertrieben, aber auch wie herrlich grandios das alles ist.

Ein Spielplatz für die ganz Großen

Zum Auftakt eine Feststellung: Gleneagles ist ein Spielplatz für Reiche, wahrscheinlich sogar Superreiche. Der durchschnittliche Zimmerpreis liegt in der Hauptsaison im europäischen Sommer bei rund 1.000 Pfund pro Nacht (rund 1.150 Euro). Eine Runde Golf kostet, je nach Jahreszeit, zwischen 300 und 400 Pfund. Beim Rib-Eye-Steak mit Pommes frites im italienisch gestylten Bistro "The Birnam" ist man mit gut 100 Pfund dabei. Man kann sich also ausrechnen, was ein paar Tage Urlaub hier mit dem Bankkonto anstellen. Und genau das ist der Punkt: Über die Rechnung beim Check-out darf man nicht nachdenken. Oder man hat eben so viel Geld, dass einem ein paar Tausend Euro mehr oder weniger keine Kopfschmerzen bereiten. Wie auch immer: Wer akzeptiert, dass hier nicht der Verstand, sondern das Erlebnis regiert, der hat seine Freude.

Denn das Erlebnis ist tatsächlich sehr besonders. Bei so viel Pomp würde man eine gewisse Kälte erwarten, die einem manchmal in Fünf-Sterne-Häusern entgegenschlägt. Doch in Gleneagles sieht und spürt man nichts davon. Ganz im Gegenteil: Was mich an diesen vier Tagen am meisten überrascht hat, waren die Menschen, die im Resort arbeiten. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts übertrieben höflich oder gar arrogant. Das Personal liebt seine Arbeit wirklich, und das sieht und spürt man in jedem noch so kurzen Gespräch. In einem Haus dieser Größenordnung – und Gleneagles ist mit seinen 232 Zimmern und Suiten riesig – ist das eine echte Leistung.

Ian zum Beispiel, der uns beim Tontaubenschießen betreute, verriet uns als erfahrener Schütze zahlreiche Tipps und hatte einige unterhaltsame Storys auf Lager. Genauso die zwei Falkner, die mit einer wirklich ansteckenden Leidenschaft von ihren Tieren erzählten, ehe wir zwei Wüstenbussarden beim Fliegen und Auskundschaften zuschauen durften. Das ist nichts, was man trainieren kann. Das ist eine Haltung, eine Kultur, die offenbar über Jahrzehnte gewachsen ist. Und genau das macht das Erlebnis für den Gast so speziell.

Wie aus einer anderen Zeit

Schon die Ankunft setzt den Ton. Man fährt durch das weitläufige Anwesen, vorbei an gepflegten Rasenflächen und alten Bäumen, und am Ende steht dieses imposante Hotel im Stil eines schottischen Landschlosses vor einem. Errichtet wurde es in den Zwanzigerjahren, als die Eisenbahngesellschaft hier eine "Riviera in den Highlands" erschaffen wollte. Die Lobby, die hohen Decken, der Geruch von geöltem Holz und frischen Blumen – man merkt sofort, dass man an einem besonderen Ort ist. Das Zimmer war makellos und zudem charakteristisch und charmant eingerichtet. Dazu kommt ein Frühstück mit riesigem Buffet und zusätzlichem À-la-carte-Angebot. Alleine etwas mehr Zeit sollte man dafür einplanen, andernfalls könnte man seine Startzeit schnell verpassen. Es ist diese Mischung aus altem britischem Understatement und kompromisslosem Komfort, die Gleneagles so eigen macht. Nichts wirkt protzig, und doch fehlt es an absolut nichts.

Man könnte hier vier Tage verbringen, ohne einen einzigen Schläger anzufassen – und hätte trotzdem das Gefühl, etwas Großes erlebt zu haben. Die Liste dessen, was Gleneagles auffährt, ist riesig: Falkenjagd, Tontaubenschießen, Fliegenfischen, aber auch ein voll ausgestatteter Sportclub oder eine äußerst exklusive Sauna an einem eigenen kleinen Staudamm-See, in dem man sich nach dem Aufguss abkühlen kann. Geshuttelt wird man natürlich im neuesten Range Rover. Und klar, alles kostet extra. Aber über die Kosten beziehungsweise das Ausblenden selbiger haben wir ja schon gesprochen.

Drei Plätze, eine klare Hierarchie

Kommen wir zum eigentlichen Grund, warum man als Golfer überhaupt herkommt: die drei Plätze. Große Bekanntheit erlangte Gleneagles mit dem PGA Centenary Course, der 2014 Austragungsort des Ryder Cup war. Europa schlug die Amerikaner damals unter Kapitän Paul McGinley mit 16,5 zu 11,5 Punkten. Zudem war 2019 der Solheim Cup zu Gast. Und außerdem war der Centenary Course mehrfach der Turnierplatz der Johnnie Walker Championship auf der European Tour. Der Platz wurde 1993 von Jack Nicklaus entworfen und ist ein moderner, amerikanisch geprägter Kurs, der bestens für das Turniergolf geeignet ist. Spielerisch sind die 18 Löcher durchaus beeindruckend, aber ihnen fehlt ein wenig die eigenwillige schottische Seele, die die beiden anderen Plätze auszeichnet.

Und die hat ganz besonders der King’s Course, den der fünffache Open-Champion James Braid 1919 entworfen hat. Der Schotte bekam ein perfektes Stück Land und machte daraus einen Platz, der sich durch die Hügel windet, mit Blick auf die Ochil Hills und die Gipfel des Ben Vorlich. Erhöhte Abschläge, federnde Fairways zwischen Heidekraut und Ginster. Zahlreiche Hügel und Ondulierungen, aber immer so gut integriert, dass sie spielerisch absoluten Sinn ergeben und das eigene Spiel meist begünstigen. Auch die Grüns mit ordentlichen Breaks sind ganz besonders und machen immensen Spaß, selbst wenn es mal der eine oder andere Putt zu viel wird. Jedes Loch trägt übrigens einen Namen, von Heich o’Fash bis Warslin’ Lea, und jedes hat seinen eigenen Charakter. Schon 1921 wurde auf dem King’s das erste, noch inoffizielle Ryder-Cup-Match zwischen Großbritannien und den USA ausgetragen, das die Briten mit Platzarchitekt Braid im Team 9 zu 3 gewannen. 2016 wurde der Platz weitgehend in seinen Originalzustand zurückversetzt, die Fairways wurden wieder deutlich verbreitert und die Bunker zurück ins Spiel geholt.

Große Turniere gab es übrigens auch auf diesem Kurs: 2022 war die Senior Open Championship zu Gast, Darren Clarke gewann das Senioren-Major. Eine erneute Auflage gab es in diesem Jahr, als das Major Ende Juli hier ausgetragen wurde und Jerry Kelly sich den Titel schnappte. Dazu kommen mehr als 50 Jahre Tour-Geschichte: Seit 1974 fanden hier mehr als zwei Dutzend Profi-Turniere statt. Wer hier spielt, spielt auf historischem Boden.

In den Top 100 der US-Zeitschrift "Golf Digest" landet der King’s Course 2026 auf Rang 85. Bei den Kollegen von Top 100 Golf Courses ist er im Ranking von Großbritannien und Irland in den Top 50 zu finden. Lee Trevino brachte es einst auf den Punkt:

"Wenn der Himmel so gut ist wie das hier, hoffe ich, dass dort noch ein paar Startzeiten frei sind."

Lee Trevino

Bleibt noch der Queen’s Course, mit Par 68 und maximal 5.892 Yards Länge der kürzeste der drei. Auch er hat seine eigene Seele mit mehr Parkland-Charakter und einigen wirklich sehr starken Spielbahnen wie der 7, einem nicht zu langen Par 5 bergab, das mit einem abfallenden und langgezogenen Grün für den einen oder anderen Drei-Putt sorgt. Gerade an dieser Ecke des Kurses ist die Szenerie zwischen den Bergrücken wunderschön. Im direkten Vergleich aber steht er im Schatten der beiden großen Namen.

Die Mechanik hinter dem Luxus

Aber wie funktioniert so ein Apparat eigentlich wirtschaftlich? Wer zahlt solche Preise? Nun, die Zahlen, die das Management durchblicken ließ, sind durchaus beeindruckend. Die Auslastung liegt laut eigener Aussage bei mehr als 80 Prozent. Das ist für ein Resort dieser Preisklasse in einem Land mit einem eher durchwachsenen Klima eine echte Hausnummer. Pro Jahr werden zudem bis zu 90.000 Greenfees verkauft. Wenn man das auf die Saison und die drei Plätze umlegt, landet man bei etwa 100 verkauften Runden pro Tag und Platz – die Bahnen sind also nahezu durchgehend bespielt. Und trotzdem hat man als Gast nie das Gefühl, in einer Massenabfertigung zu stecken. Auch das ist eine Kunst für sich.

Die Besitzerfamilie passt übrigens gut zur internationalen Klientel: 2015 kaufte der britisch-indische Unternehmer Sharan Pasricha Gleneagles, das damals im Besitz von Diageo war, und reihte es in seine Hotelgruppe Ennismore ein, zu der auch das Gleneagles Townhouse in Edinburgh zählt. Pasrichas Frau Eiesha ist die Tochter des indischen Telekom-Milliardärs Sunil Bharti Mittal. Seit 2021 hält die französische Accor-Gruppe rund zwei Drittel an Ennismore; Pasricha behielt ein Drittel und steht dem Unternehmen heute als Chairman vor.

Bleibt noch eine Notiz zum Weinkeller, in dem wir eine Champagner-Degustation genießen durften. Allein der Einkaufswert der Bestände ist siebenstellig. Man steht da unten zwischen den Regalen und begreift langsam, in welcher Liga man sich hier eigentlich bewegt. Es ist weniger ein Keller als ein kleines Museum, das man auch noch trinken darf.

Das Hotel Gleneagles in Perthshire, Schottland
232 Zimmer und Suiten: Von hier aus wirkt Gleneagles fast wie ein Schloss aus einem anderen Jahrhundert © Landmark

Und dann ist da das Wetter

Nach Schottland kommt man nicht für eine Sonnengarantie und tropische Temperaturen von 30 Grad. In meinen vier Tagen gab es etwas Regen, aber immerhin eher wenig Wind. Wer auf die Insel kommt, muss mit kühleren Temperaturen und ein paar Bahnen im Nieselregen einfach happy sein. Das gehört dazu. Eine Runde auf dem King’s Course, wenn der Nebel über den Hügeln hängt und der Wind an der Kappe zerrt, hat auch was. Danach ein Whisky vor dem Kamin, und schon ist das Wetter sogar Teil des Zaubers.

Gleneagles ist maßlos. Maßlos teuer, maßlos schön, maßlos gut gemacht. Es ist kein Ort für die Vernunft und kein Ort fürs Rechnen. Es ist ein Ort, an den man fährt, wenn man sich einmal im Leben das Allerbeste gönnen will. Würde ich wiederkommen? Sofort. Ich müsste nur vorher noch einmal kräftig sparen.

Timo Schlitz

Über den Autor: Timo Schlitz

Timo Schlitz, echter Münchner, aber auch gerne unterwegs, hat in der Jugend mit Golf begonnen. Das Schreiben kam später dazu – unter anderem für die SZ, das Golf Journal, Golf.de und Perfect Eagle. Mittlerweile hat er zwei Trainingsbücher in der Reihe Mein Golf Training veröffentlicht und seinen eigenen Verlag gegründet. (mehr Infos)

 

Dieser Artikel ist in ähnlicher Form in der Ausgabe #4/2026 von Perfect Eagle erschienen.

Auf einen Blick

Lage
Gleneagles, Perthshire, Schottland
Plätze
King’s Course (Design James Braid, 1919), PGA Centenary Course (Design Jack Nicklaus, Ryder Cup 2014), Queen’s Course
Greenfee
je nach Saison rund 100 bis 500 Pfund pro Runde, Hotelgäste etwas günstiger; gleiche Preise für alle drei Plätze· Aktuelle Preise
Zimmerpreis
rund 1.000 Pfund pro Nacht in der Hauptsaison
Preisniveau
Luxus
Unterkunft
Gleneagles Hotel mit 232 Zimmern und Suiten
Aktivitäten
Falknerei, Tontaubenschießen, Fliegenfischen, Spa
Beste Reisezeit
Mai bis September
Anreise
Flughäfen Edinburgh oder Glasgow, eigener Bahnhof Gleneagles


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