Reise in Oberbayern: Heimvorteil
Fünf Tage, fünf Plätze, viel Wasser und ein Kloster mit sehr gutem Bier. Das Fünfseenland zwischen Ammersee und Starnberger See ist näher, als man denkt – und überraschender, als man erwartet. Sogar für jemanden, der aus der Umgebung kommt.
Das Schiff legt in Starnberg ab, Kurs Tutzing. Links das Westufer mit seinen Villen und Bootsstegen, rechts die Promenade von Starnberg, ganz im Süden leuchten die Alpen – und mittendrin: Golf. Viel Golf. Wer das Fünfseenland nur als Münchner Naherholungsgebiet kennt, hat offensichtlich noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. Denn die Region zwischen Starnberger See, Ammersee, Pilsensee, Wörthsee und Weßlinger See kann bei der Golfplatzdichte durchaus groß punkten und ist dabei qualitativ überraschend stark aufgestellt. Wir spielen in einer internationalen Gruppe aus sechs Nationen fünf Plätze in fünf Tagen. Und ich habe einen Heimvorteil, denn ich bin am Ostufer des Starnberger Sees aufgewachsen und in Starnberg zur Schule gegangen, ehe es zum Studium nach München ging.
Platz-Design: Rossknecht und Harradine dominieren
Den Auftakt macht der GC Wörthsee. Kurt Rossknecht hat hier einen sehr spielbaren, sportlich ausgewogenen Platz entworfen, der keine unfairen Überraschungen bereithält. Wörthsee ist bekannt für seine schnellen Grüns und die generell erstklassige Pflege des Platzes. Zudem gibt es einen 6-Loch-Kurzplatz sowie erstklassige Übungsanlagen mit TrackMan. Das Clubhaus mit gemütlicher Terrasse ist ein Hingucker, das Publikum entsprechend exklusiv. Wer verlässlich gutes Spiel auf verlässlich gutem Platz sucht, ist hier an der richtigen Adresse.
Am zweiten Tag geht es nach Gut Rieden. Und damit bergauf und bergab. Rossknecht hat hier einen Platz entworfen, der die Topografie nicht schönt, sondern nutzt. Manche Löcher fallen etliche Meter in die Tiefe, andere klettern danach gleich wieder hinauf. Besonders die 7 hat Wildcard-Charakter: Man schlägt ab, schaut dem Ball nach und hofft, den richtigen Schläger gewählt zu haben. Schöne Ausblicke auf den Starnberger See und das Alpenvorland gibt es allemal, und einen 9-Löcher-Kurzplatz noch dazu. Einen neuen Gastronomiebetreiber sucht der Club übrigens noch.
Beuerberg: Starkes Panorama, überragende Küche
Tag drei führt nach Beuerberg – und hier lohnt es sich, etwas langsamer zu werden. Der Club wurde 1982 vom Schweizer Unternehmer Dr. Urs Zondler initiiert und 1983 nach einem Entwurf von Donald Harradine eröffnet. Harradine, der legendäre schottische Architekt, hat auf dem weitläufigen Gut Sterz südöstlich des Starnberger Sees eines seiner späten und besten Werke hinterlassen. Mehr als 100 Hektar Fläche, mooriger Untergrund, alte Bäume, natürliche Wasserläufe. Die Fairways sind an den richtigen Stellen eher breit, die Grüns schnell und unterschiedlich. Besonders die Bahnen 14 bis 16 sind genial: ruhig, fast abgeschieden, weit weg von allem. Das riesige Doppelgrün der 9 und 18 liegt auf einem Plateau vor der Terrasse und rahmt den Platz würdig ein. Der Blick auf die berauschend schöne Alpenkette tut sein Übriges. Zehn Jahre nach der Eröffnung wurde Beuerberg erstmals zum schönsten Golfplatz Deutschlands gewählt. Diese Einschätzung hat sich gehalten. Dr. Urs Zondler, der den Platz über Jahrzehnte geprägt und mit seiner Frau Isolde auch die Gastronomie geführt hat, übergibt langsam an die Nachfolger (Melanie und Andreas Ditter). Das öffentlich zugängliche Restaurant mit ausgezeichneter Küche, Alpenblick inklusive, ist weiterhin die beste Adresse der Region.
Am Mittwoch folgt dann der Blick vom Wasser. Die Schifffahrt von Starnberg nach Tutzing, über Berg, Leoni und Possenhofen, ist eigentlich ein Programmpunkt zwischen zwei Golftagen. Als Kind bin ich diese Strecke schon ein paar Mal gefahren. Was man dabei vergisst: wie schön es hier ist. Ein paar Segelboote, viel Wald, der Blick in die Berge. Mittagessen mit frischem Saibling dann im Nordbad in Tutzing, ehe der GC Feldafing auf dem Plan steht.
GC Feldafing: Der Älteste ist auch ein Klassiker
Es gibt Plätze, auf denen man sofort versteht, warum jemand vor vielen Jahrzehnten genau hier Golf spielen wollte. Der GC Feldafing ist so einer. Gegründet 1926, entworfen von Bernhard von Limburger, einem der bedeutendsten deutschen Golfarchitekten des 20. Jahrhunderts, der sich an Größen wie Alister MacKenzie oder Tom Simpson orientierte. Der Platz wirkt gereift, selbstbewusst, ja ist weite Strecken sogar großartig. Es ist ein eingewachsener Parkland Course mit eher kleinen Grüns, die wie nahezu jeder Schlag auf dem Platz viel Präzision verlangen. Wer streut, hat in Feldafing ein Problem. Aber auch ein zu defensives Spiel bringt einen nicht weiter, denn mit 5.726 Metern (Gelb) ist der Platz nicht kurz. Immerhin: Wer nicht scort, kann sich über die überwältigenden Ausblicke auf den Starnberger See freuen. Das clubinterne Restaurant macht den Besuch komplett: Seeblick, gute Küche, die Ruhe eines Hauses, das sich seiner Sache sicher ist. Könnte ich den Ball besser kontrollieren, wäre ich hier gerne Mitglied. Übrigens: 2026 feiert der Club sein 100-jähriges Jubiläum.
Den Abschluss macht der Golfclub Bergkramerhof, der sich seit der Übernahme von Dorothee und Olaf Gühring im Jahr 2023 neu erfunden hat. Das breite, moderne Layout mit seinen großflächigen Grüns besteht natürlich weiterhin (Design: Thomas Himmel). Aber die Platzpflege funktioniert nun überwiegend mit autonom fahrenden Mährobotern und ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Ein sportlicher Kurs mit stolzen 5.922 Metern von Gelb. Und auch in der Gastronomie hat sich etwas getan: Die ist jetzt italienisch und schmeckt.
Zwei weitere Empfehlungen: Starnberg und St. Eurach
Zwei Plätze, die nicht auf dem offiziellen Programm standen, sollte man bei einem Besuch der Region zudem einplanen. Der GC Starnberg in Hadorf, ebenfalls ein Rossknecht-Design, ist sehr beliebt. Die möglichen Gründe? Wahrscheinlich sind es die sehr guten und pfeilschnellen Grüns, das äußerst abwechslungsreiche Layout und die Ausblicke in die bayerische Landschaft. Vielleicht ist es aber auch die gesellige Terrasse mit gelungener italienischer Gastronomie.
Und dann ist da noch der G&LC St. Eurach, ein weiteres Harradine-Werk, das für sich allein schon eine Reise rechtfertigt. Leicht hügelig, Wälder, Wiesen, Moorbecken und Fairways mit Blick auf Wetterstein, Karwendel und die Zugspitze. Der Platz war sogar mal Austragungsort der BMW International Open. Von den hinteren Abschlägen ist St. Eurach richtig schwer, auf den zweiten Neun muss man zudem ein oberbayerisches „Amen Corner“ überstehen (Spielbahnen 14 bis 16). Zuletzt wurde kräftig in die Trainingsanlagen investiert und im Clubrestaurant kocht seit diesem Jahr Duc Tai Nguyen mit seinem Team asiatisch, zudem gibt es aber auch Clubhaus-Klassiker wie Wiener Schnitzel oder Club Sandwich.
Der Heilige Berg
Apropos Kulinarik: Wer abends noch Energie hat, fährt mindestens einmal nach Andechs. Das Kloster auf dem Heiligen Berg ist Pflichtprogramm für Touristen. Die Brauereitour „TimeRide Go!" wirkt auf den ersten Blick skurril, ist aber kurzweiliger als erwartet. In bunter Warnweste gekleidet bekommt man das Brauereigelände erklärt und setzt immer wieder eine Virtual-Reality-Brille auf, die einem die Details des Brauens dreidimensional vor Augen führt. Danach sitzen Begriffe wie obergärig (beim Weißbier) oder die Inhaltsstoffe des bayerischen Reinheitsgebots von 1516. Ja, genau: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser! Was danach im Bräustüberl aus dem Fass kommt, ist natürlich auch sehr gut. Dazu gibt es bayerische Spezialitäten wie Obatzda, Haxn und Schweinswürstl mit Kraut. Deftige Hausmannskost eben. Wer es internationaler mag, der isst hingegen in den beschriebenen Clubs oder gönnt sich ein Sterne-Menü im Restaurant Aubergine des Hotels Vier Jahreszeiten in Starnberg. Außerdem sehr empfehlenswert: Zum Fischmeister in Possenhofen.
Man merkt: Das Fünfseenland als Golfregion mit insgesamt zehn Clubs spricht für sich – und das alles nur eine Stunde vom Münchner Flughafen entfernt. Wer von weiter weg anreist, macht trotzdem keinen Fehler. Und wer von hier kommt, hat eben einen Heimvorteil. Den sollte man öfter nutzen.
+++ INFOS +++
- Anreise: Vom Flughafen München sind es circa 45 Minuten nach Starnberg.
- Unterkunft: Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg (mit 122 Zimmern) oder Posthotel Hofherr in Königsdorf.
- Beste Reisezeit: Mai bis Oktober.
- Greenfee-Preise: Je nach Club zwischen 80 und 140 Euro. Mit der Golfcard Starnberg Ammersee gibt es 20 % Rabatt auf den Greenfee-Preis, wenn man in einem der Partnerhotels übernachtet.
- Mehr Infos: starnbergammersee.de/golfen


